Britta mit Davina

Mein Name ist Britta, ich bin 51 Jahre alt und seit dem 12. Lebensjahr beidseitig komplett ertaubt. Mit 11 Jahren habe ich Morbus Crohn bekommen, die folgende Behandlung mit Antibiotika führte zum vollständigen Verlust des Gehörs und zu massiven Gleichgewichtsstörungen. Der Körper ist ein kleines Wunder und kann den Ausfall eines Sinnesorgans bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, so kann ich mich heute bei Tageslicht relativ gut fortbewegen, wenngleich auch leicht schwankend. Anders ist es im Dunkeln, wo das ausgleichende Organ Auge auch nichts mehr wahrnimmt, da habe ich früher das Haus nicht mehr allein verlassen. Es gab Stürze auf unebenen Pflastersteinen, auch Radfahrer von hinten haben mich öfter umgefahren. Seit 2014 begleitet mich meine Assistenzhündin Davina und hat mir ein großes Stück Freiheit zurückgegeben.

Taube Menschen sind deutschlandweit vernetzt und befreundet aufgrund der gleichen Kommunikation, der Deutschen Gebärdensprache. Wir reisen viel um an kulturellen Veranstaltungen von Gehörlosen teilzunehmen, dafür besitzen wir den Schwerbehinderten Ausweis mit einer Wertmarke. In der DB für meine ausgebildete Hündin zu bezahlen stellt eine finanzielle Belastung dar, ich bin immer am Überlegen ob ich zu einer Veranstaltung fahren kann. Das schließt mich aus der sozialen Gemeinschaft aus und isoliert, was die Wertmarke ja eigentlich vermeiden soll. Wie soll ich ohne Assistenzhund zur Bahn kommen? Wie wieder nach Hause?

Davina zeigt auch heruntergefallene Gegenstände an. Wenn man nicht hört wie der Schlüssel auf den Boden fällt, geht man einfach weiter. Sie meldet unter anderem Alarmsysteme, Fahrrad klingeln, Rufe von hinten, und holt menschliche Hilfe. Im Dunkeln geht sie etwas vor und führt, hält an Treppen.

Die 2. chronische Erkrankung, Akne Inversa, machen immer mal wieder chirurgische Eingriffe nötig, danach bin ich monatelang mobilitätseingeschränkt. Ich wüsste nicht, was ich ohne Davina machen sollte. Sie stupst mit ihrer Schnauze, hebt Gegenstände mit dem Maul auf, da muss natürlich zwingend Schnauzenfreiheit – ohne Maulkorb – sein.

Meine Bitte an die Bahn: lasst gekennzeichnete Assistenzhunde als Hilfsmittel ihrer Halter*innen zu und befördert sie kostenfrei.